
Bibliophiler Schatz - Nach dem Lesen dieses Buches liest sich Harrers Sieben Jahre in Tibet relativistisch. Harrer setzte auf das Abenteuer, Aufschnaiter auf die Sachlichkeit.Wer diesen bibliophilen Schatz sein Eigen nennen kann, der darf mit Fug und Recht behaupten ein ganz besonderes Buch zu besitzen. Irgendwie war Aufschnaiter immer der imaginäre Schatten aus Sieben Jahre in Tibet . Im Film wurde er sogar verheiratet. In Wirklichkeit spielte er zwar mit dem Gedanken, konnte sich aber nie wirklich überwinden.Dieser Mann liebte das alte Tibet. Während all die Anderen nur die Flucht im Kopf hatten, wollte Aufschnaiter mit vollem Herzen und ganzer Seele nach Tibet. Es war sein Traum. Er liebte die einfachen Menschen, die spirituellen Schwingungen, die mystische Kultur, die faszinierende Landschaften und damit Tibet mit all seinen Facetten und Ausprägungen. Dieser Mann hätte Tibet wohl nie mehr verlassen, wäre es nicht zur illegalen chinesischen Invasion bzw. gewaltsame Besetzung des tibetischen Staatsgebietes gekommen.Solange er in Tibet lebte, war er vielseitig interessiert. Ob Arbeiten als präziser Kartograph, tibetanischer Fauna-Flora-Habitat-Forscher oder pflichtbewusster Archäologe. Der Kitzbühler war an allem was Tibet betrifft interessiert. Kasuistisch erforschte er viele Aspekte und Perspektiven. Das zeigt sich daran, dass er im Gegenteil zu Harrer, schon vor der Flucht der tibetanischen Sprache mächtig war. Er interessiert sich für Blauschafe, auch Bharal genannt, die Geschichte von Jetsüm Milarepa, dem Mythos Yeti oder bisher nicht erfasste Himalaya-Berge. Die Liste ließe sich belebig fortsetzen. Seine Analysen sind nüchtern. Hier scheint er seinem Vorreiter und Vorbild Sven Hedin zu ähneln. Er sammelt Pflanzen, schickt sie an entsprechende Forscher und Institute und wartete gespannt auf die Resultate. Einzig Politik schien nicht sein Feld. Ich wurde sagen Aufschnaiter war eher unpolitisch. Das heißt nicht, dass er nicht trotzdem eine Meinung hatte.Für mich eines der wertvollsten existierenden Tibet-Bücher. Der Tiroler hat Dinge erlebt, die so nicht mehr zu erleben sind. Dabei blieb er immmer bescheiden. Hut ab. Faszination & Respekt für einen großen Charaktermenschen.
8 Jahre in Tibet - „Was wird er erst zu erzählen haben, wenn er nach all den Jahren heimkehrt? beschloss Heinrich Harrer seinen Bestseller „7 Jahre in Tibet. „Er, Harrers Partner Peter Aufschnaiter, kam aber weder heim noch berichtete er zu Lebzeiten. Das ist schade, denn kaum ein Europäer kannte das alte Tibet so gut wie der schweigsame Österreicher. Die Story ist weltbekannt: Die Bergsteiger Aufschnaiter und Harrer werden vom Ausbruch des 2. Weltkrieg in Indien überrascht, fliehen aber aus dem Internierungslager nach Tibet. Obwohl das Lamaland traditionell alle Fremden abweist, gelangen sie auf abenteuerliche Weise in die Hauptstadt Lhasa und können dort Fuß fassen. Während Aufschnaiter als Landwirtschaftsingenieur arbeitet, wird Harrer zum Freund und Lehrer des jungen Dalai Lama. Beide müssen fliehen, als 1951/52 die Chinesen Tibet besetzen. Harrer kehrt bald nach Europa zurück und schreibt seinen berühmten, inzwischen von Hollywood verfilmten Mega-Bestseller. Aufschnaiter bleibt als Entwicklungshelfer in Asien und stirbt 1973. In seinem Nachlass fand sich ein Tibet-Manuskript, welches Martin Brauen zum vorliegenden Buch zusammenstellte. Aufschnaiter ist kein Erzähler wie Harrer. Sein Buch gibt vielmehr ein distanziert-sachlicher Bericht über dieses einmalige Abenteuer. Es erlaubt aufgrund der beigefügten Kartenskizzen und der peniblen Routenbeschreibungen, die Flucht Harrers und Aufschnaiters genau zu rekonstruieren. Da Aufschnaiter im Gegensatz zu Harrer bis zum letzten Augenblick in Tibet verharrte, konnte er noch einige Expeditionen in den Norden des Landes unternehmen, die hier erstmals dokumentiert werden. Auch seine Tibetfotos werden hier erstmals vorgestellt. Die Ausgabe ist aufwändig, der Stadtplan von Lhasa, den er im Auftrag der tibetischen Regierung erstellte, ist in Faksimile beigfügt. Fazit: Ein faszinierender Einblick in die Kultur des untergegangenen Tibets. Wer Harrers Buch verschlungen hat, muss Aufschnaiters Buch unbedingt lesen.